Search

Mamuthones, Traditionen aus Sardinien

Eine der sardischen Karnevalsmasken: die Mamuthones

Der Karneval in Sardinien (Carrasegare) ist eine der faszinierendsten und beliebtesten Veranstaltungen auf der Insel. Zwischen Land und Meer, die Dualität Sardiniens zeigt sich auch in den Masken des sardischen Karnevals, die in der Schwebe zwischen Alptraum und Fantasie, zwischen Aberglauben und Heiligkeit hängen. Dazu gehören die Mamuthones. Mit Italian Traditions kannst du diese traditionelle Maske des sardischen Karnevals entdecken, indem im Detail erklärt wird, woraus sie besteht, und ihr Ursprung und ihre Bedeutung erläutert wird.

Was sind Mamuthones?

issohadores

Issohadore. Credits: Sardegna Turismo

Die Mamuthones sind eine traditionelle Maske des sardischen Karnevals. Ihre Beliebtheit ist auf die Teilnahme an einem faszinierenden und uralten Ritual in Mamoiada zurückzuführen, eine kleine sardische Stadt, die 15 Kilometer entfernt von Nuoro liegt, und in der sie jedes Jahr zusammen mit den Issohadores durch die Straßen ziehen. Während der folkloristischen Veranstaltung, treten die Mamuthones kraftvoll auf und hypnotisieren das Publikum, indem sie in Gruppen von zwölf Personen rhythmisch tanzen und zu den ungeordneten Bewegungen der Issohadores kreischen. Diese traditionellen Feste erreichen die Aufmerksamkeit von Menschen aus der ganzen Welt.

Der Ursprung der Maske

Die Maske der Mamuthones ist sehr alt und es wird angenommen, dass ihr Ursprung auf die ersten Jahrhunderte nach Christus zurückgeht. Einen frühen Verweis kann man in den Schriften des deutschen Sprachwissenschaftlers Max Leopold Wagner finden. Nach mündlicher Überlieferung zogen die Mamuthones bereits im neunzehnten Jahrhundert durch die Straßen und während einige glauben, dass die Ursprünge dieser Tradition bis in die Epoche der Nuraghen zurückgeht, gehen andere davon aus, dass ihre Darbietung den Sieg der Hirten aus Barbagia (die Issohadores) über die Sarazenen feiert, die in Gefangenschaft genommen und durch die Straßen geführt wurden (die Mamuthones).

Es gibt noch weitere Theorien zu den Ursprüngen, wie zum Beispiel „ein totemisches Ritual der Unterwerfung des Ochsen“ oder eine rituelle Prozession der Nuraghen zu Ehren einiger landwirtschaftlicher und pastoraler Gottheiten.

issohadores-sardegna

Credits: Vistanet

Die Mamuthones erscheinen demzufolge wie ein Ochsenrudel, das von den Issohadores, ihren Hirten gezähmt wird, oder wie Männer, die zu Tieren geworden sind, Hirten, die sich mit dem Ochsen identifizieren, indem sie ihr Gesicht mit einer Maske bedecken, die die Eigenschaften, als Zeichen einer fast mystischen Verehrung für ein Tier, das so nützlich und wertvoll für den Menschen ist, wiedergeben.

Laut Dolores Turchi, einer Gelehrten der Volkstraditionen, sind die Mamuthones noch viel älter: sie müssten mit uralten Fruchtbarkeitsriten in Verbindung gebracht werden, die auf den Dionysoskult, der im gesamten Mittelmeerraum verbreitet war, zurückzuführen sind.

Andere maßgebliche Interpretationen sehen in der Maske die Darstellung vom mythischen Gerontizid (die Tötung des alten), wieder andere sehen in der Maske des Mamuthone das Bildnis von einem dämonischen Geist.

Eine alte Legende besagt, dass ein Hirte, der versehentlich Stechapfelblätter gegessen hatte, seinen Gefährten im Wahn mit einer dämonischen Figur verwechselte. Als er nach ein paar Tagen mit Wahnvorstellungen wieder zu sich kam, kehrte er in das Dorf zurück und erzählte den Dorfbewohnern von der furchterregenden Person, die er getroffen hatte. Daraus ist angeblich die traditionelle Karnevalsmaske der Mamuthones entstanden.

tradizioni-sardegna

Was bedeutet Mamuthones?

Der Ursprung des Namens Mamuthones ist ungewiss. Laut einer der Theorien lässt er sich vom lateinischen Namen des Dorfes ableiten, wahrscheinlich „manubiata“, um eine römische Militärgarnison anzuzeigen, die durch die strategische Bedeutung des Orts, auf der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung der Insel, begründet war. Die Anwesenheit der Römer wird durch den noch heute vorhandenen Brunnen bezeugt.

Das Maskenfest geht auf den alten keltischen Kult des Wassers (pränuraghische Epoche) und die späteren Bacchusfeste zurück, insbesondere die der Vogelscheuche, beängstigende Wesen der weit verbreiteten Volkslegende in vielen Gemeinden der Insel.

Die Masken der Mamuthones

Die von den Mamuthones verwendeten Masken sind sehr einfach, aber gleichzeitig besonders effektiv. Eine der Besonderheiten betrifft das schwarze leidende Gesicht, das diabolisch erscheint. Daran hängen Glocken unterschiedlicher Größe, die durch rhythmische Sprünge klingeln.

Die Kleidung des Mamuthòne umfasst ein dunkles Samtkleid, die schwarze Mastruca (Schaffelljacke, typisch für sardische Hirten), sas peddes genannt und die handgegerbten Lederschuhe, sos hòsinzos genannt. Vor dem Gesicht trägt er sa visera, eine anthropomorphe schwarze Maske, auf dem Kopf eine sardische Mütze (coppola) und ein Taschentuch der weiblichen Kleidung (su mucadore). Auf dem Rücken des Mamuthòne ist durch ein komplexes Verankerungssystem mit mehreren Lederriemen, ein schweres Bündel mit Glocken unterschiedlicher Größe angebracht, während ein weiteres kleineres Bündel mit Bronzeglocken auf der Höhe des Brustbeins und des Magens angebracht ist. Die Glocken und Rasseln heißen sa càrriga.

Die italienische Tradition des Karnevals ist besonders reich an Masken, die für bestimmte Regionen charakteristisch sind. Jede von ihnen hat antike Ursprünge und unverwechselbare Eigenschaften, die sie in der ganzen Welt berühmt gemacht haben. Noch heute sind sie in den traditionellen Karnevalsumzügen der italienischen Städte präsent. Wenn du weitere Karnevalsmasken der italienischen Tradition entdecken möchtest, empfehlen wir dir, diesen Artikel zu lesen. Jetzt weißt du was Mamuthones sind und kannst dir selber einen Karnevalsumzug in Mamoiada ansehen.

Write a response

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Close
Your custom text © Copyright 2018. All rights reserved.
Close