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Die italienische Geschichte einer Exzellenz: EatEataly und sein Gründer Oscar Farinetti

Wir Italiener sind ganz schön verwöhnt. Wir leben in einem der schönsten Länder der Welt, sehr strategisch, nicht nur aus geopolitischer Sicht, sondern auch aus kultureller Sicht, in unmittelbarer Nähe des „mare nostrum“, das die Entstehung unserer Gesellschaft miterlebt hat. Und auch wenn uns außerhalb Italiens alle schätzen, reden wir uns gerne klein.

Eataly ist eine langfristig gewonnene italienische Wette und feiert dieses Jahr bereits seinen 11. Geburtstag. Es erschien uns als einmalige Gelegenheit um darüber zu reden und um Eataly durch den aufmerksamen und leidenschaftlichen Blick des Gründers, Oscar Farinetti, genauer kennenzulernen. Er startete 2002 dieses Abenteuer zusammen mit vielen italienischen Unternehmen, Marken und Betriebe die damals noch nicht sehr bekannt waren, aber die alle sehr ehrgeizig waren und die gleichen Wertvorstellungen hatten: Qualität, Nachhaltigkeit und Lust auf Austausch.                                                                                                                                                                  

Beantworten Sie uns eine Frage. In der Zeit von Fast Food haben Sie dem Trend entgegen in Slow Food investiert und das Konzept von Nahrung zur Kultur und den starken Wurzeln der italienischen Realität zurückgebracht. Was war die anfängliche Herausforderung und welche Zutaten führten zum Erfolg?

„Die richtigen Zutaten bestimmen den Erfolg der Ideen. Ich war mir bei drei Dingen ganz sicher: Genuss, Bekömmlichkeit und Erzählung. Wenn man von Nahrung und Ernährung spricht, spielen die ersten beiden zu oft in zwei verschiedenen Teams: wenn etwas gut schmeckt, ist es ungesund. Falsch! Wie wir von Eataly schon immer gesagt haben, ist der Genuss ein Zustand von Körper und Geist der aus dem Bewusstsein kommt: umso mehr du genießt, desto besser kennst du das Objekt, in diesem Fall die Nahrung. Wenn ich also Pasta esse und ihre Besonderheiten kenne – mit Hartweizen aus Gragnano gemacht, langsam getrocknet, „al bronzo“ produziert, mit einer angemessenen Menge von Ascherückständen, Gluten und pflanzlichen Eiweißen – kann ich sie noch viel besser genießen. Die Bekömmlichkeit entsteht nicht nur aus einer Zertifizierung, wie zum Beispiel eine biologische oder biodynamische, von denen es heutzutage sehr viele gibt. Sie entsteht zunächst einmal aus der Einhaltung der Produktionsgegebenheiten von diesem bestimmten Nahrungsmittel: der Achtung des Produzenten, der Achtung der Natur aus der dieses Produkt kommt, der Achtung der Traditionen. Und dann kommt die Erzählung, die natürlich ein wesentliches Element ist um diese Ideen zu vermitteln und zu erzählen und den Kunden unserer Geschäfte und unserer Restaurants ein Bewusstsein weiterzugeben.“

Die geopolitischen Veränderungen, die asiatischen Märkte, China und der Nahe Osten und jetzt auch Russland: gehen Sie davon aus, dass diese Märkte reif dafür sind ihre Produkte zu würdigen?

„Heutzutage ist die ganze Welt reif für italienisches Essen von hoher Qualität. Es gibt 800 Millionen Menschen auf der Welt die in Qualität in Bezug auf Ernährung verliebt sind. All diese Menschen achten immer mehr auf die italienische Küche. Aber es gibt leider auch die anderen 800 Millionen Menschen die nur wenig oder gar kein Essen haben, und über eine Milliarde Übergewichtige die ungesund essen. Auch für die letzten zwei Kategorien muss etwas getan werden. Und Eataly versucht, in kleinen Rahmen, etwas zu unternehmen.“

Das Jahr 2018 ist „das internationale Jahr des italienischen Essens in der Welt“. Die Bekanntgabe kommt vom Minister für Kultur und Tourismus Dario Franceschini bei der Präsentation der Vereinbarung, die zusammen mit dem Präsidenten von Coldiretti Roberto Moncalvo anlässlich der Konferenz „Biodiversità e agricoltura. Multifunzionalità: dall’ambiente alla società“ unterzeichnet wurde. Eine Maßnahme die laut Moncalvo Bewusstsein und Aufklärung über gutes Essen erzielen wird, indem aus ausländischen Touristen Botschafter des Made in Italy bei Tisch gemacht werden. Aber wird auch der Export dazu beitragen das angestrebte Ziel von 50 Milliarden Euro im Jahr 2020 zu erreichen? Was sind die unternehmerischen Ziele die Eataly anstrebt?

„Der Kontext ist korrekt. Um auf diese Situation reagieren zu können, haben wir FICO, Italienische Landwirtschaftliche Fabrik, in Bologna gegründet. Italien ist eines der Länder mit der größten biologischen Vielfalt der Welt und das ist ein Reichtum, den wir lernen müssen besser zu vermitteln. Durch FICO versuchen wir diesen Reichtum zum Ausdruck zu bringen, und dies geschieht dank der Stiftung FICO, bei der 5 Universitäten beteiligt sind: Università Alma Mater Studiorum di Bologna, Università di Trento, Università Suor Orsola Benincasa di Napoli, Università di Scienze Gastronomiche di Pollenzo und Future Food Institute. Die Stiftung wird sich mit Ernährungserziehung und Nachhaltigkeit beschäftigen, und wird sich Gedanken machen über die Auswirkungen die neue Methoden der Produktion und des Verbrauchs von Essen auf unser Leben und unseren Planeten haben werden. Heutzutage können diese unternehmerischen Ziele neue Arbeitsplätze erzeugen und tausende Touristen überzeugen, die jedes Jahr den Park in Bologna besichtigen werden.“

Um es auf Oscar Farinettis Art zu sagen, kann man unserer Meinung nach zwischen den Zeilen dieser „Erzählung“ lesen, dass es noch ein sehr langer Weg sein wird, aber auch dass die Träume, wenn sie aus Projekten voller Talent, Hingabe und Leidenschaft resultieren, sich verwirklichen werden. Also wünschen wir zusammen mit den anderen alles Gute zum Geburtstag und werden mit der selben Leidenschaft und Aufmerksamkeit die nachfolgenden italienischen Initiativen und Ideen verfolgen.

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