Italien verfügt, wie jeder weiß, über das größte künstlerische Erbe der Welt. Und es ist sicherlich ein echtes „Paradies“ der Dörfer, beziehungsweise dieser kleinen Altstädte, die architektonische, historische und künstlerische Schmuckstücke zusammen sind. In diesen Orten tragen beeindruckende Architekturen, Schlösser und Türme, Gassen und Monumente dazu bei, einzigartige Atmosphären zu schaffen, die normalerweise auf önogastronomische Einrichtungen, uralte Traditionen und landschaftliche Attraktionen treffen.
Die schönsten Orte Italiens auszuwählen, ist kein leichtes Unterfangen, es gibt viele kleine Orte, die man besichtigen und erleben sollte. In diesem Fall war der einfachste Weg, einige der schönsten, faszinierendsten und ansprechendsten Orte auszuwählen, angefangen im Norden bis in den Süden.
Piemont. Riccetto di Candelo
Riccetto di Candelo gilt als das „mittelalterliche Pompeii“ der Region Biella. Riccetto ist als Lager für landwirtschaftliche Produkte entstanden und entwickelte sich zu einem befestigten Dorf, von Stadtmauern umgeben, in deren Zentrum der Palazzo del Principe und der Palazzo Comunale stehen. Das Dorf ist von dem Naturschutzgebiet Baraggia umgeben, ein naturalistisches Unikum. Hier befand sich Ysangarda, ein Ort, der mit dem Mythos verbunden war, aber auch ein realer Ort ist, der seinen Namen dem germanischen Begriff Ysen-Gard (Heiliges Gelände) verdankt, der 1155 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Der Ort ist für die Weinproduktion und für die edlen Weine des Biella-Gebietes bekannt.

Trentino-Südtirol. Castelrotto – Kastelruth
Kastelruth liegt mitten in der Tiroler Region, im Naturpark Schlern, in der Provinz Bozen. Das Dorf ist geprägt von den Spuren des Castelvecchio, eine Festung aus dem Mittelalter, von der heute ein gewaltiger viereckiger Turm und Spuren eines befestigten Dorfes erhalten geblieben sind. Die Fassaden der Häuser wurden vom Maler Eduard Burgauner und seinem Onkel Johann Burgauner mit der Absicht bemalt, das Dorf in ein Kunstwerk zu verwandeln. Castelrotto (deutsch Kastelruth, ladinisch Ciastel) vereint Jugendstil mit der alten lokalen barocken Tradition. Die Fassaden des ehemaligen Hotel Zum Wolf und die Häuser Rauch und Mendel stechen besonders hervor. Die Piazza Krausen (benannt nach der adeligen ungarischen Familie, die hier lebte) beherbergt das Rathaus aus dem 17. Jahrhundert, einen hohen Glockenturm und eine neoklassizistische Kirche. Und das Kostümmuseum, das traditionelle Tiroler Bekleidung zeigt. Im Rathaus lohnt es sich, die mit Holz verkleidete Ratskammer und den Saal aus dem sechzehnten Jahrhundert, ebenfalls mit Holz verkleidet und mit einer Kassettendecke, zu besichtigen. Außerdem kann man im Dorf die zwei Hotels aus dem 17. Jahrhundert, Goldenes Rössl und Zum Wolf und die historischen Gebäude in der Oswald von Wolkenstein Straße und in der Plattenstraße besichtigen. Auf dem Hügel über dem Dorf, auf dem die Burg stand, befindet sich die Locanda della Torre aus dem 16. Jahrhundert, die Sitz des Gerichts wurde.

Emilia-Romagna. Bobbio
Dieses Dorf verdankt seinen Namen dem nahegelegenen gleichnamigen Wildbach, und war zuerst das keltisch-ligurische Boiel und dann das lateinische Bobium. Die Geschichte des Dorfes ist mit dem Trebbia-Tal in der Provinz Piacenza verbunden, einer wichtigen Verbindungsroute seit der Zeit der Langobarden und der Pilgerreisen nach Rom. Hier wurde 614 die Abtei San Colombano gegründet, die auch ein wichtiges politisches und kulturelles sowie religiöses Zentrum wurde. Die Altstadt des Dorfes hat die Geschichte durchlaufen und seine Besonderheiten eines mittelalterlichen Zentrums sind erhalten geblieben. Ein Zeugnis dafür ist die sogenannte Ponte Gobbo – auch Ponte del Diavolo (Teufelsbrücke) genannt -, die ursprünglich von den Römern gebaut wurde und den Fluss Trebbia überquert. In der Ortschaft befindet sich das Museum der Abtei, mit dem alten Skriptorium, in dem Fundstücke aus dem Kloster und aus der antiken Stadt ausgestellt werden, unter anderem das majestätische Grab der Familie Cociceia, ein Altar der Göttin Diana gewidmet und lombardische und karolingische Steine und Marmore aus der Basilica di Agilulfo. Darüber hinaus sollte man auch die Umgebung von Bobbio, die vom Fluss Trebbia durchquert wird, und die Thermalanlage in San Martino besichtigen.

Toskana. Pitigliano
Pitigliano in der Provinz Grosseto, etruskischen Ursprungs, blickt auf einen legendären lateinischen Ursprung zurück. Laut der Legende wurden zwei Römer geboren, Petilio und Celiano, die das Dorf gründeten, indem sie ihre Namen vereinten und der Name Pitigliano entstand. Das Dorf ist durch vulkanisches Gestein geprägt, das im Laufe der Jahrhunderte ausgehoben wurde, um es zu erbauen. Tuffstein ist ein Gestein, mit dem man besonders leicht arbeiten kann. Mit dem Tuffstein ist eine richtige „Tuffstein-Kultur“ verbunden, die mit den Etruskern entstanden ist und bis heute fortgeführt wird. Im gesamten Ort sind die Spuren der alten Bewohner der Gegend sichtbar, die Gräber, Tunnel und geheimnisvolle „Vie Cave“ ausgruben. Zusätzlich zu den Stadtmauern, die teilweise noch erhalten sind. Die Juden dagegen, die hier 500 Jahre lang lebten, gruben Höhlen aus, von denen es sehr viele in diesem Gebiet gab, und nutzten sie als Wohnungen und Gotteshäuser. Pitigliano bietet eine spektakuläre Welt, die eine unterirdische Stadt voller Höhlenkirchen, Tunnel, Wassergräben, Ställen und Keller verbirgt. Das Dorf, das auf einem hohen Tuffsteinfelsen steht, umgeben von grünen Tälern, bietet ein wahrhaft magisches Schauspiel. Im Zentrum steht der mittelalterliche Palazzo Orsini, der im 16. Jahrhundert vom Architekten Antonio di Sangallo im Renaissancestil renoviert wurde. Heute beherbergt der Palazzo Orsini das Museum für sakrale Kunst, die Fonte Medicea und das Aquädukt aus dem 17. Jahrhundert. Rund um das Dorf befindet sich ein faszinierendes Netz von malerischen Gassen, Treppen, Loggien und Dekorationen aus dem 16. Jahrhundert. Die Kathedrale beherbergt die Gemälde von Pietro Aldi und Francesco Vanni und an der Seite steht der Glockenturm und das Denkmal der Familie Orsini. Pitigliano ist voller Geschichte und seine Einwohner haben im Laufe der Jahrhunderte Spuren hinterlassen, die dem Ort einen einzigartigen Charme verleihen. Sogar in der Ernährung. In der Weihnachtszeit wird in diesem Dorf der „Sfratto“ zubereitet, ein stabförmiger Kuchen, der mit Honig und Walnüssen zubereitet wird.

Lazio. Civita di Bagnoregio
Bagnoregio oder Bagno del Re. Dieser Name stammt aus der Langobardenzeit und benannte ein königliches Grundstück, das wahrscheinlich mit einem Thermalbad verbunden war, dessen Wasser – der Legende nach – die Wunden vom König Desiderio heilte. Civita di Bagnoregio ist, um genau zu sein, ein Ortsteil der Gemeinde Bagnoregio, in der Provinz Viterbo, der auf einem steilen Hügel liegt und von zwei Tälern umgeben ist, die durch „Ödland“ geprägt sind: Fossato del Rio Torbido und Fossato del Rio Chiaro. Civita ist durch eine lange Fußgängerbrücke mit der Stadt verbunden und wird von etwa zwanzig Personen bewohnt, der Ort wird „die Stadt, die stirbt“ genannt.
Die Gründung der Stadt geht auf die Etrusker zurück, was durch die Stadt selbst, Spuren von Stadtmauern und einer Nekropole bezeugt wird. Die so genannte Höhle von San Bonaventura, in der San Francesco den kleinen Giovanni Fidanza, den zukünftigen San Bonaventura, geheilt haben soll, ist eine etruskische Grabkammer. Das Dorf sieht jedoch absolut mittelalterlich aus. Die kleine Stadt hatte schon immer mit der Erosion zu kämpfen, durch die im Laufe der Jahrhunderte der Tuffstein abgetragen wurde, auf dem das Dorf steht und aus dem es gebaut wurde. Dies wird durch die Maßnahmen, die schon vor den Etruskern unternommen wurden, bezeugt und dann von denen der Römer, um die Erosionswirkung des Wassers zu begrenzen.
Das Dorf beherbergt die Kirche von San Donato mit dem schönen Holzkreuz, Palazzo Alemanni mit dem Museo Geologico e delle Frane, den Palazzo Vescovile, die Mühle aus dem XVI Jahrhundert und die Überreste von dem Geburtshaus von San Bonaventura. Außerdem findet in Civita di Bagnoreggio das berühmte lebendige Krippenspiel statt, das jedes Jahr in den mittelalterlichen Straßen und Gebäuden aufgeführt wird.

Kampanien. Atrani
Atrani ist ein kleines Dorf an der Amalfiküste, direkt über dem Meer, das sich buchstäblich an den Felsen von Monte Civita und Monte Aureo klammert. Die Gründung der Kirche San Salvatore Birecto geht auf das Jahr 940 zurück, die später zur Cappella Palatina der Amalfi-Republik wurde. Das Dorf wurde über einen langen Zeitraum von den Sarazenen Piraten angegriffen und 1135 von den Pisani zerstört. Sodass der schwäbische König Manfredi veranlasste, es im Jahr 1274 wiederaufzubauen, die Collegiata di Maddalena wurde 1274 wiederaufgebaut. Im Dorf kann man die Ruinen des Benediktinerklosters S.S. Quirico e Giuditta, die Bronzetür und den Turm besichtigen. Die Faszination von Atrani liegt in der Schönheit des Stadtzentrums, mit den Gassen, Bögen, Innenhöfen, Plätzen und „Treppchen“, und den Häusern, die dicht aneinander stehen um den begrenzten verfügbaren Platz optimal zu nutzen. Im unteren Ortsteil, stehen die Häuser direkt am Strand. 1931 wurde Atrani von dem großen niederländischen Zeichner und Graveur Maurits Cornelis Escher gemalt, er zeichnete mehrere Ansichten, unter anderem die Stadt von oben gesehen (vom Torre dello Ziro), mit der Kirche und dem Glockenturm von Maddalena und den Gassen.

Sizilien. Sambuca
Die Geschichte von Sambuca (in der Provinz Agrigento) reicht bis in die Zeit der arabischen Herrschaft in Sizilien zurück. Gegründet von dem Emir Al-Zabuth, hat sich das Dorf im Laufe der Zeit mit einer doppelten Identität entwickelt: der arabischen, im Stadtzentrum sichtbar, und der aus dem achtzehnten Jahrhundert, außerhalb der Stadtmauern. Die Faszination vom Ort liegt in der Altstadt, ein Labyrinth aus engen Gassen und Plätzen, das „arabische Viertel“, und in der Burg, die durch die Mauern geschützt wird. Ohne die nahe gelegene Festung Mazzallakkar zu vergessen, die am Ufer des Sees Arancio liegt, und regelmäßig durch den Anstieg des Wasserstands unter Wasser liegt. Eine islamische Bevölkerung lebte bis zum 13. Jahrhundert in Sambuca und hinterließ unauslöschliche Spuren, sie wurde dann aber durch die Ankunft von Federico II. ausgelöscht. Der Palazzo Panittieri wurde 1510 erbaut, und im gleichen Zeitraum wurden neue Viertel eines Dorfes erbaut, das sich nach der Zerstörung der muslimischen Gemeinde entwickelte. Im siebzehnten Jahrhundert werden in der Stadt Adelsgebäude und Kirchen gebaut, darunter Palazzo Ciaccio und Beccadelli, Chiesa del Carmine und das Kloster Santa Caterina.


